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„Unser großes Anliegen sind die Hauskinder!“ Netzwerk in Brandenburg erreicht alle Kinder im Landkreis Elbe-Elster  Interview am 18. August 2008.

Jens Scheithauer, Leiter des Jugendamtes im Landkreis Elbe-Elster und Daisy Kühnel, Praxisberaterin, über ihre Arbeit als Netzwerk in der BZgA-Aktion „Ich geh zur U! Und Du?“.

BZgA: Wie haben Sie von der Aktion erfahren?
Scheithauer/Kühnel: Über das Brandenburger Projekt Netzwerke Gesunde Kinder arbeiten wir mit unserem Gesundheitsamt zusammen. Dort erfuhren wir von der BZgA-Aktion „Ich geh zur U! Und Du?“ und waren gleich Feuer und Flamme. Unsere Grundidee bestand darin, die Aktion in Kooperation mit möglichst allen Kitas im Landkreis Elbe-Elster umzusetzen. Und so haben wir mit den Kitas und deren Träger Kontakt aufgenommen und stellten fest, dass auch die Kitas selbst viel Interesse und Bereitschaft zur Mitarbeit mitbrachten. So konnten 83 Kitas und rund 2500 Kinder im Jahr 2007 dabei sein. Wir haben damit unser Ziel erreicht: die Aktion ist bei uns flächendeckend verbreitet.

BZgA: Was hat Sie dazu bewogen, mitzumachen?
Scheithauer/Kühnel: Herzstück der Aktion ist die Freiwilligkeit und das ist auch gut so. Eltern können immer noch selbst entscheiden, ob sie ihr Kind dem Kinderarzt vorstellen ­ und als Dank ein kostenloses T-Shirt zu erhalten, ist für viele eine gute Sache. Außerdem eignet sich die BZgA-Aktion, aus unserer Sicht, auch hervorragend für den ländlichen Raum: Hier wo sich alle gut kennen, pflegen die Erzieherinnen häufig einen vertrauensvollen Umgang mit den Eltern. Diese Nähe nutzen wir, um Mütter und Väter einzuladen, zur Vorsorgeuntersuchung mit ihren Kindern zu gehen oder eine Elternveranstaltung zum gleichen Thema zu besuchen. Einige Mütter konnten auch so ihre Ängste verlieren, wenn sie beispielsweise die U7 versäumt hatten und nun einem Besuch zur Vorsorge U8 beim Kinderarzt mit gemischten Gefühlen entgegensahen.

BZgA: Wie haben Sie die Kindergärten in Ihrer Region motiviert?
Scheithauer/Kühnel: Wir haben alle Träger und Kitas im Landkreis angeschrieben und auch auf Tagungen und Fortbildungen immer wieder darüber informiert. Dabei haben uns die Aktions-Materialien sehr geholfen, da sie nicht zu viel und nicht zu wenig Informationen enthalten. Nachdem auch die Presse über unser Vorhaben berichtet hatte, gab es von allen Seiten viel Unterstützung für die Aktion. Wichtig ist unserer Meinung nach auch ein Dank zum Abschluss der Aktion: Wir haben allen Kita-Leiterinnen persönlich für ihre Mitarbeit und das Engagement der Erzieherinnen gedankt.

BZgA: Gab es Besonderheiten bei der Durchführung?
Scheithauer/Kühnel: Wir haben hier im Jugendamt eine Systematik erarbeitet, die es uns ermöglichte, alle betroffenen Kinder nach Anzahl, Einrichtung und Altersbereichen zu erfassen. So konnten wir die Materialien entsprechend den Kinderzahlen unseren Einrichtungen zur Verfügung stellen. Und tatsächlich haben einige Einrichtungen die 100%ige Teilnahme gemeldet. Unser großes Anliegen sind außerdem die Hauskinder. Um auch diese Kinder zu erreichen, planen wir eine neue Aktion: In Zusammenarbeit mit den Kinderärzten möchten wir Mütter, die mit ihren kleinen Kindern zur Tafel der Johanniter Teestube kommen, ansprechen und motivieren, doch die Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Wenn es möglich ist, könnte die Wartezeit bei der Tafel gleich für eine solche Untersuchung genutzt werden, falls die Räumlichkeiten dies zulassen und Kinderärzte diese Idee unterstützen.

BZgA: Haben Sie Tipps für interessierte Kindergärten, die sich an der Aktion beteiligen möchten?
Scheithauer/Kühnel: Der Arbeitsumfang der Aktion ist nicht zu unterschätzen, doch wir möchten sehr gerne weiter dabei sein und noch viele Kinder mit ihren Müttern und Vätern bei uns im Landkreis erreichen. Deshalb haben wir uns für einen eher ungewöhnlichen Schritt entschieden: Wir haben über unseren Lokalzeitungen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Mithilfe bei der Aktion gesucht. Und gefunden! Es haben sich gleich fünf „Freiwillige“ gemeldet und mit dabei sind nun der Verein Kids&Co, die Krankenkasse DAK, die Johanniter Teestube, eine Kita und eine ehrenamtliche Helferin. Da wir selbst anfangs skeptisch waren, ob sich überhaupt jemand meldet, überraschte uns die große Resonanz und Bereitschaft mitzuarbeiten ­ manchmal reicht es aus, einfach nur zu fragen!

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O-Töne

Ein einmaliger Aktionstag ist unserer Erfahrung nach nicht geeignet, die Zahl der Inanspruchnahme der Untersuchungen zu erhöhen. Langfristig ist eine kontinuierliche Elternarbeit erforderlich. Die Erzieherinnen wissen in der Regel, welche Eltern angesprochen werden müssen. Hier ist eine sensible Einflussnahme gefragt.

Eine Ärztin des Gesundheitsamtes der Hansestadt Rostock

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